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22 Apr 2021
Vorstandssitzung
   

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Jeden Mittwoch frühstückt Erich Kröhan gemeinsam mit seiner Frau im Kreise alter Bekannter In der Bürgerbegegnungsstätte Dümpten (BBD), wenn er sich denn in Mülheim aufhält. Dort sprach ich auch mit ihm über sein Leben und sein politisches Wirken für Mülheim und Dümpten. 

Erich Kröhan kam am 30.11.1924 in Berlin zur Welt und erlernte dort den Beruf des Maschinenschlossers. Den Krieg erlebte er als Maschinist bei der Marine auf einem Minensuchboot in Narvik (Norwegen) und die letzten Kriegstage als Soldat im umkämpften Berlin.1954 zog er nach Mülheim. Hier arbeitete er bis 1961 bei den Mannesmann Röhrenwerken in seinem Beruf, um dann als technischer Angestellter zur Stadt Duisburg in den Bereich Brücken- und Ingenieurbau zu wechseln. Er wirkte mit beim Bau der Berliner Brücke über die Ruhr und den Duisburger Hafen, insbesondere an den komplizierten stählernen Einbauten zwischen Brückenpfeilern und Überbau zum Ausgleich von Bergsenkungen. 1975 wechselte er zur Duisburger Verkehrs-AG. 

Der SPD trat er 1947 bei. Kurt Schumacher war sein Vorbild, “ der erste Politiker, der die Jugend von der Kriegsschuld freigesprochen hat", wie er betont. Mitglied des Rates der Stadt war er von 1956 bis 1971. Von 1966 bis 1990 gehörte er als direkt gewähltes Mitglied der SPD dem Landtag von NRW an. Er übernahm verschiedene Parteiämter, unter anderem führte er viele Jahre den SPD-Ortsverein Dümpten. Hinzu kamen Ehrenämter auf Vereinsebene. 

In Mülheim machte er sich unter anderem stark für den Bau der U-Bahn und für das Forum. Aber auch die Tatsache, dass das alte Bürgermeisteramt in Dümpten erhalten blieb und heute auch als Bürgerbegegnungsstätte genutzt wird, haben wir zu einem wesentlichen Teil seinem Engagement zu verdanken. "Das war ein großer Coup", sagt Kröhan heute nicht ohne Stolz. Nur den Lärmschutzwall, den die Dümptener seit ewigen Zeiten an der A40 fordern, konnte auch er nie durchsetzen; eine Sache, die den heute 89-Jährigen immer noch ärgert. 

Heute lebt er entweder in seiner Wohnung an der Lerchenstraße oder in Lemmer, einer kleinen Hafenstadt am Ijsselmeer. Seit 30 Jahren hat er dort ein Mobilheim mit einem Liegeplatz für sein Motorboot. Der Wunsch, ein eigenes Boot zu besitzen, entwickelte sich in seiner Zeit bei der Marine. Ist er aber in Mülheim, galt und gilt seine private Leidenschaft der Modelleisenbahn. Im Keller der BBD baute er eine große Anlage der Marke Märklin auf. Aktuell steht an, die Anlage dem Club der Modelleisenbahner Mülheim zu übergeben. Übrigens lädt er jeden Interessierten ein, die Anlage nach Absprache mit dem Team der BBD zu besichtigen. 

Die Politische Entwicklung in Stadt und Land verfolgt Erich Kröhan noch immer mit großem Interesse. Ich fragte ihn deshalb, wie er die heutige Entwicklung unserer Stadt und unseres Stadtteils Dümpten sieht. 

Sein Ja gilt Ruhrbania, seine Kritik aber der Verkehrsführung in der Stadt, insbesondere der beiden großen Ampelkreuzungen vor der Konrad-Adenauer-Brücke. Den beabsichtigten Abriss der Hochstraße auf der Nordseite des Bahnhofs lehnt er strikt ab. Mit einem Lächeln bemerkt er: „Manchmal ist es gut, man hat kein Geld, dann kann man es auch nicht sinnlos ausgeben.“ Den Markt auf der Schlossstraße begrüßt er als eine Bereicherung der Innenstadt. Den Platz vor dem Rathaus würde er als freien, zentralen Platz genutzt sehen für Veranstaltungen aller Art, auch das Gebäude des Kaufhofes ist für ihn erhaltenswert.“ Wir haben in der Nachkriegszeit schon zu viel abgerissen“ sagt er selbstkritisch. 

Und die Straßenbahn? Er antwortet sybillinisch: „Ich fahre lieber Straßenbahn als Bus. Man wird nicht so hin- und her geschüttelt…“ Aber die Kosten? Dazu nur sein Hinweis auf Versäumtes:„ Während meiner politischen Tätigkeit mahnte ich immer wieder an, Rücklagen für die Instandhaltung zu bilden. Vergeblich.“ 

Mit dem Stadtteil Dümpten ist Erich Kröhan heute weitgehend zufrieden, auch wenn Verbesserungen im Detail immer noch möglich sind, wie zum Beispiel: „Ein Platz als Bürgerzentrum in Oberdümpten wäre eine gute Sache…“ 

Lieber Erich Kröhan, der Dümptener Bürgerverein wünscht Ihnen weiterhin alles Gute bei bestmöglicher Gesundheit. 

Bernd Lüllau 
Vorsitzender