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22 Apr 2021
Vorstandssitzung
   

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Die „Schwarzen Häuser“ 

Ältere Dümptener kennen sie noch, die vier aus dunklen Lehmziegeln gemauerten Doppelhäuser, verbunden durch Torbögen. Man nannte sie „die schwarzen Häuser“ oder „die Kolonie“, deren Lage Sie auf dem Bebauungsplan der Siedlung wiederfinden. Bis ca. 1968 standen sie rechts der Einfahrt zum heutigen Altenheim an der Straße „ Auf dem Bruch“. Dann mussten sie dem Bau des Altenheimes und der beiden Wohnblöcke weichen. Ursprünglich waren diese Häuser für die Familien der Ziegeleiarbeiter errichtet worden. Nach Stilllegung der Ziegelei um 1890 zogen Bergleute ein. Noch heute erinnert hinter dem Altenheim der steile Hang des Schildberges an den Lehmabbau. Auch der Teich stammt wohl aus dieser Zeit. 

Frau Annertzok lebte dort 34 Jahre. „Es waren glückliche Jahre trotz der vielen Entbehrungen“, wie sie heute rückblickend sagt. Sie kam als Tochter der Eheleute Spaan 1934 zur Welt. Ihr Großvater war 1902 als Bergarbeiter aus Schlesien zugewandert. Sie heiratete und wohnte in den Häusern bis 1968.In ihrer Fotokiste fand sie noch ein Foto ihrer Großeltern von 1911. Ihre aus dem Saarland stammende Großmutter ist auf dem Foto 35 Jahre alt. Acht Kinder brachte sie zur Welt. Sie starb im Alter von 56 Jahren. Die Kleine ganz rechts ist ihre spätere Mutter. Die gute alte Zeit…….

Sie erzählt weiter: „Die Wohnungen hatten vier hohe Zimmer und eine Küche. Darunter gab es einen Kriechkeller, den meine Großeltern noch vertieft hatten. So war er besser zur Vorratshaltung zu nutzten. Bei starken Niederschlägen stand er regelmäßig unter Wasser, wir hatten dann ein Schwimmbad. Zur Wohnung gehörten Stallungen für Schwein und Ziege sowie ein ca. 50 m langer Garten mit Obstbäumen. Wir waren weitgehend Selbstversorger. Zwischen Weihnachten und Neujahr war Schlachtfest. Vom Haus aus konnte ich über die Felder von Bauer Neulen bis zur Mellinghofer Straße sehen. Es gab bis 1936 weder Strom noch bis 1938 fließendes Wasser. Die Toilette und die Wasserpumpe standen auf dem Hof. Wir lebten zeitweise mit vier Generationen unter einem Dach in vier Zimmern und einer Küche. Unten die Eltern und oben die junge Familie.

16 Familien hatten wohl anfangs an die 100 Kinder. Zu meiner Zeit waren es wohl noch 50 Kinder. Da war immer was los!

Im Krieg trieben Arbeiter in den Lehmberg zwei lange Stollen bis unter den Sportplatz. Verbunden wurden diese durch zwei Querstollen. Auf dem Lehmboden lagen Bretter zum Schutz vor Feuchtigkeit. Bei Fliegeralarm rannten die Familien durch die Gärten zum Bunker. Manchmal nahm ich die Ziege mit und im Puppenwagen die Katze. Bei Alarm musste es immer schnell gehen. Da ist schon mal einer in den Teich gefallen. Wir setzten uns in die Nischen der Stollen und warteten bis Entwarnung kam.

So um 1955/56 hat ein findiger Mann in den Stollen eine Pilzzucht betrieben. Wir nannten ihn alle Pilzen – Anton. Den für die Pilzzucht erforderlichen Pferdemist brachten die Bauern vorbei. Es stank fürchterlich. Beim Rein- und Rausfahren halfen Männer aus der Siedlung. Man war immer froh, ein paar Mark nebenbei zu verdienen. Auch gab es manchmal ein paar Pilze. Heute ist der Bunker verschlossen.“

Und weiter erzählt Frau Annertzok: „ Treffpunkt der Jugend war damals der „Große Stein“, ein etwa   2 m großer Findling, den wohl die Eiszeit mit hergeschleppt hatte. Früher lag dieser Stein auf der rechten Seite des alten, heute gut ausgebauten Verbindungsweges zwischen der Mellinghofer Straße und dem Schildberg weit oben rechts auf der Wiese. Wahrscheinlich wurde er im Zuge der Bebauung des Schildberges an seinen heutigen Standort am Kinderspielplatzverlegt.“

In Frau Annertzok erwachten alte Erinnerungen, als sie neben diesem Findling steht.