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22 Apr 2021
Vorstandssitzung
   

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Zu 1: Die „Schwarzen Häuser“, errichtet im 19. Jahrhundert 
Zu 2: Hier entstand 1958 die neue Volksschule, 
Zu 3: Die Ladenstraße 

Die Siedlung auf dem Bruch und deren Veränderung 

Die HOAG - Siedlung 

Alles begann in den fünfziger Jahren mit dem Wiederaufbau. Kohle und Stahl wurden gebraucht und vor allem Männer, die diese Rohstoffe gewinnen und verarbeiten konnten. Die Rohstoffe waren im Ruhrgebiet vorhanden oder konnten günstig herangeschafft werden. Auch das Wissen um deren Verarbeitung hatte den Krieg überlebt. Aber man brauchte Menschen, die anpacken wollten. Es waren Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und arbeitsuchende Männer aus allen Teilen Deutschlands, die dazu bereit waren, um sich und ihre Familien zu ernähren. Allerdings fehlten Wohnungen. Gebaut wurde in diesen Nachkriegsjahren überall in Mülheim. Die Bevölkerungszahlen explodierten. 

Bevölkerungszahlen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Mülheim und Dümpten 

Jahr Bevölkerung Mülheim an der Ruhr Bevölkerung Dümpten
1950 149.589 100% 9.720 100%
1958 179.655 120% 16.591 171%
1960 184.783 124% 19.747 203%
1970 191.780 128% 24.448 252%
1980 179.711 120% 22.764 234%
2000 173.597 116% 20164 207%
2010 168.754 113% 18.585 191%

Quelle: Statistikauszug des Einwohnermelderegisters, Statistische Jahrbücher der Stadt Mülheim an der Ruhr 

Auch das Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG) im nahen Oberhausen suchte für seine Arbeiter Wohnraum. Das Werk stand auf dem Gelände des 1996 eröffneten Centro Oberhausen. Ein Panoramafoto im Gasometer Oberhausen erinnert an die riesigen Ausmaße dieses Werkes. In der Zeitung für die Belegschaft, dem „Echo der Arbeit“ von 1955, heißt es: „Wie wir erfahren, ist beabsichtigt, das künftige Wohnungsbauprogramm einer Wohnungsbau - G.m.b.H. zu übertragen, die in diesen Tagen gegründet werden soll. Für die Belegschaft wird in erster Linie interessant sein, dass ein größeres Wohnungsbauprojekt in Mülheim-Dümpten vorgesehen ist. Hier sollen im Rahmen des Wohnungsbauprogrammes 1955 626 werksgeförderte Wohnungen erstellt werden. Der Entschluss der Werksleitung, auf Mülheimer Gebiet zu bauen, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass in Oberhausen ein geeignetes Baugelände für ein derartig umfangreiches Projekt nicht zur Verfügung steht. Die räumliche Entfernung zum Werk wird ausgeglichen durch günstige Fahrgelegenheiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ 

Dümpten war nach dem Krieg noch ein ländlicher Stadtteil, ein Streudorf, geprägt von Bauernhöfen, eingebettet in Wiesen und Felder. Das Augenmerk der Siedlungsplaner fiel auf die Kartoffel-, Rüben- und Getreidefelder der Dümptener Bauern Roland, Schroer, Neulen und Kempgen am Fuße des Schildberges und des Wittkampbusches zwischen Heiermannstraße, Denkhauser Höfe und Mellinghofer Straße. Dies waren die geeigneten Flächen für eine große Siedlung. Hier sollte die HOAG-Siedlung entstehen. 

Die Planung und Bauträgerschaft übertrug die Wohnbau GmbH der HOAG den Duisburger Architekten Conle. Für einen heute unvorstellbar geringen Preis von ca. 1,30 DM/qm wechselten die Grundstücke ihre Besitzer. Geplant wurden zwei- und dreigeschossige Einzel- und Doppelhäuser mit viel Grünfläche zwischen den Häusern. Mitten durch die Siedlung verlief noch eine Hochspannungsleitung, die aber zwischen 1960 und 1962 weiter nach Westen über das freie Feld zur Stadtgrenze zu Oberhausen verlegt wurde. Die Mietwohnungen entstanden östlich dieser Leitungstrasse. Westlich davon baute die Wohnungsbaugesellschaft mit Firma Conle zusätzlich ca. 100 Reiheneigenheime, die HOAG-Mitarbeiter günstig erwerben konnten. 

Die WAZ schreibt am 2.6.1955: „Mit dem Erdgeschoss des ersten neuen Doppelhauses am Eingang der Denkhauser Höfe beginnt die Mülheimer Großsiedlung zu wachsen“ und weiter: „Bis hin zur neuen Barbarakirche ist bereits ausgeschachtet.“ Bereits am 1. Juli 1956 waren 137 Wohnungen bezogen und bis Ende 1956 bereits 596 Wohneinheiten, aufgeteilt in Zwei - und Dreiraumwohnungen mit Flur, Küche, Bad und Loggia. Die 1955 von der HOAG gegründete Wohnungsbaugesellschaft blieb als rechtlich selbständige Gesellschaft in der Thyssengruppe, später Thyssen/Krupp, bestehen. Erst 2004 ist der gesamte Besitz an Wohnimmobilien an die Investorengruppe immeo-Wohnen veräußert worden. 

Zeitgleich mit den neuen Häusern entstand zur Versorgung der Bewohner inmitten der Siedlung eine eingeschossige Ladenstraße. Auch eine neue Volksschule, eine konfessionslose Gemeinschaftsschule, kam hinzu. Die NRZ schrieb am 20.2.1961: „z. Z. wohnen 546 Schüler in unmittelbarer Nähe der Schule „Auf dem Bruch“, allein in den Wohnstraßen Auf dem Bruch, Hildegardstraße und Magdalenenstraße leben 400 schulpflichtige Kinder.“ Die Siedlung war wohl zu dieser Zeit eines der kinderreichsten Wohngebiete Mülheims. 

Die Volksschule Auf dem Bruch 

Nach den Plänen von Baurat Thissen, damals Leiter der Planungsabteilung des Städtischen Hochbauamtes, startete 1956 der Schulneubau. In dieser Zeit wurden in ganz Mülheim weitere Schulneubauten geplant. Die neuen Schulgebäude sollten kein uniformes Aussehen erhalten. In Dümpten fiel die Entscheidung auf einen zweigeschossigen Bau mit großen Fenstern, verblendet mit cremefarbenen Spaltklinkern 

Die Schule war konzipiert für 350 Kinder. Diese sollten in acht Klassenräumen, drei Fachräumen und einem Mehrzweckraum unterrichtet werden. Hinzu kamen drei Verwaltungsräume, Sanitärräume, eine Regenhalle und eine Hausmeisterwohnung. Im Keller wurde eine gut ausgestattete Küche mit 8 Herden eingerichtet. Koch- und Handarbeitsunterricht gehörten damals noch zum Lehrplan. 

Ab Ostern 1958 begann der Unterricht schon mit 388 Schulkindern in, wie es damals hieß: „Mülheims modernster Schule“. In der bis 1983 sorgfältig geführten Schulchronik findet sich die sicher kritisch zu verstehende Anmerkung: “ Da weder vom Rat der Stadt Mülheim noch von der Schulverwaltung jemand zur Eröffnung der Schule erschienen war, begrüßte die Frau Konrektorin Ruddat allein die Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer der Schule“. Wenig später wurde Frau Dorothea Ruddat, eine gebürtige Berlinerin, zur ersten Schulleiterin ernannt. Den für eine Schule so wichtigen Posten des Hausmeisters übernahm Hans Schellenberg. Das Kollegium bestand aus vier Lehrern und sechs Lehrerinnen. 

Ein Foto aus der Schulchronik. Wer waren diese Dümptener Mädchen? 

Klasse 8, der erste Abschlussjahrgang der Gemeinschaftsschule, entlassen am 18.03.1959

Von Beginn an bestimmten Raumnot und Lehrermangel den Schulalltag. Bereits wenige Monate nach Aufnahme des Schulbetriebes im Dezember 1958 forderte die Schulpflegschaftsversammlung wegen der unerträglichen Raumnot einen Erweiterungsbau. „Kein Geld“ hieß es seitens der Stadt, auch wegen anstehender Schulneubauten in Heißen und an der Nordstraße. Bereits das zweite Schuljahr 1959/60 begann sogar mit 649 Kindern, davon allein 151 I-Männchen. Frau Ruddat schrieb in die Chronik: “Die Raumnot ist erdrückend!“ Der Unterricht war nur im Schichtunterricht zu bewältigen. Im Juni 1960 besuchten zeitweise 801 Kinder die Schule. Besorgte Eltern vertröstete das Schulamt mit dem Hinweis, dass demnächst doch weitere Schulen fertiggestellt würden. Somit sei eine Besserung absehbar. Die um das Wohl ihrer Kinder besorgten Eltern gingen schließlich an die Öffentlichkeit mit dem Erfolg, dass eine Krisensitzung zwischen Elternrat und Stadtverwaltung einberufen wurde. Das Schulamt beschloss daraufhin ab September 1960 zwei Klassen in den Räumen der evangelischen Volksschule an der Gathestraße zu unterrichten. Weitere vier Klassen sollte ein Bus täglich zu der erst teilweise fertiggestellten Schule an der Nordstraße fahren. 14 Klassen verblieben in der Schule „Auf dem Bruch“. So ging der Unterricht weiter bis Ostern 1961. Dann brauchte die Schule an der Nordstraße die Räume. Der Kinderboom in der Siedlung auf dem Bruch ging aber weiter. Die NRZ schrieb noch am 20.2.1961: „z. Z. wohnen 546 Schüler in unmittelbarer Nähe der Schule „Auf dem Bruch“, allein in den Wohnstraßen Auf dem Bruch, Hildegardstraße und Magdalenenstraße 400 schulpflichtige Kinder.“ 

Die Anmeldungen für das Schuljahr 1961/62 ließen erwarten, dass in der Schule insgesamt 880 Kinder zu unterrichten wären. Das bedeutete 22 Klassen. Der Rat der Stadt beschloss deshalb am 20.02 1961 die Schule Auf dem Bruch in zwei Systeme – „Auf dem Bruch“ mit 15 Klassen und „Borbecker Straße“, heute die GHS „Schule am Hexbachtal“, mit 7 Klassen zu je ca. 40 Kindern aufzuteilen. Nur, die Schule „Borbecker Straße“ gab es noch gar nicht! Sie sollte erst in einem Jahr fertig sein. Was tun? In der Schule „Auf dem Bruch“ musste zweischichtig unterrichtet werden. Die WAZ schreibt dazu am 17.2.1961: „ Abwechselnd wird jedes System eine Woche morgens und die nächste Woche nachmittags unterrichtet. Aber selbst nach der Fertigstellung der Schule an der „Borbecker Straße“ 1962 bleibt die Schule „Auf dem Bruch“ mit 550 Kindern überbelegt. Es ist deshalb ein Erweiterungsbau mit vier Klassenräumen vorgesehen“. Endlich! Diese Forderung hatten die Schulleitung und die Elternschaft bereits seit Anbeginn gestellt!

Der Erweiterungsbau war Ostern 1962 bezugsfertig. Er linderte die Raumnot aber nur ein wenig. Entgegen ersten Annahmen waren 680 Kinder immer noch in 15 Klassen zu unterrichten, das bedeutete rechnerisch 45 Kinder pro Klasse!

Am Rande bemerkt: Da die Schule keine eigene Turnhalle besaß, ging es zum Sport in die Turnhalle der nahegelegenen katholischen Schildbergschule. Ein Schüler erzählte: „ Wir Gemischtgläubigen aus dem Tal waren nicht gerade gern gesehen, wenn wir dort zum Sport in die geweihte Turnhalle einmarschierten“

Ermittelt unter Einbeziehung der Anmeldezahlen in der Schulchronik

Eine Entlastung des Schulalltages beginnt mit der Schulreform von 1966. Die 8-klassige Volksschule wird umgestaltet in Grund-, Stamm- und Hauptschule. Zum Schulsystem „Auf dem Bruch“ gehört jetzt die 6-klassige Stammschule. Die Klassen 5 und 6 dient zur Beobachtung der Kinder, bevor diese dann, ab Klasse 7, zu einer anderen Schulform wechseln. Aber schon am 29.02.1968 beschließt der Landtag die Aufgliederung der Volksschulen in Grundschule, Klasse 1-4 und Hauptschule, Klasse 5-8. Die Schule „Auf dem Bruch“ wird zu einer 2-zügige Gemeinschaftsgrundschule (GGS) mit den Klassen 1-4. 1967 nimmt dann auch die neue Barbaraschule den Unterricht auf, nachdem die Schulbezirke neu geordnet waren. Dies alles führte dazu, dass die Schülerzahl 1968 auf unter 300 sank. Ein Jahrzehnt des Aufbaus, gekennzeichnet durch Raumnot, große Klassen sowie Lehrermangel geht damit endgültig zu Ende.

Am 2. November 1970 eröffnete der Schulkindergarten in den Räumen der Schule unter der Leitung von Frau Monika Staffa mit 22 Kindern, die, wie es in der Chronik heißt: „ …die für den Schulbesuch erforderliche körperliche, geistig- seelische oder soziale Reife noch nicht besitzen und deshalb vom Schulbesuch zurückgestellt sind.“

Nach 1978 sank die Zahl der Schüler weiter von 184 auf 139. Zwangsläufig führte dies bereits 1980 zu einer breiten Diskussion über die Notwendigkeit, in Dümpten einen Schulstandort zu schließen. Sollte es die Schildbergschule sein oder die Schule Auf dem Bruch? Beide Gebäudekomplexe waren etwa gleichalt. In dem dann für Schulzwecke aufgegebenen Bau sollte sogar ein Bürgerhaus für Dümpten entstehen. Schließlich entschied die Verwaltung, den Schulbetrieb solange aufrechtzuerhalten, „wie ein geordneter Schulbetrieb möglich ist“. Das bedeutete 1980 für eine Grundschule: Mindestens 1-zügig gegliedert und 120 Schüler.

1999 saßen aber nur noch 100 Kinder in den Klassenräumen „Auf dem Bruch“. Einige Klassenräume standen bereits leer. Damit war absehbar, dass dieser Schulstandort nicht mehr zu halten war. 2001 wird die Schule zu einer Dependance der Barbaraschule.

Doch dann plötzlich Asbestalarm in der Barbaraschule! Sämtliche Unterrichtsräume werden dort am 23.10.2001 für den gesamten Unterricht gesperrt. Die gesamte Schule zieht kurzfristig mit ihren 6 Klassen bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten um in das Gebäude „Auf dem Bruch“. Im Jahr 2003 werden beide Schulen endgültig zusammengelegt und der Schulstandort „Auf dem Bruch“ aufgegeben.

Mit den mir nur unvollständig vorliegenden Einschulungszahlen habe ich versucht zu ermitteln, wie viele Kinder in den 45 Jahren Schulgeschichte in die Schule „Auf dem Bruch“ aufgenommen worden sind. Ich komme auf über 3000 Kinder. Etwa ab 1978 nahm der Anteil der Kinder mit ausländischen Wurzeln stark zu und lag 1981 bei 30%. Frau Meysenburg, Lehrerin an der Schule, erzählt: „Ich unterrichtete gern an der Schule. Wir waren ein tolles, engagiertes Lehrerteam. Keineswegs war es so, dass Kinder mit ausländischer Herkunft besonders auffielen, oft waren sie sogar sehr lerneifrig.“ Und weiter: „ Als ich später erstmals wieder dort stand, wo einmal meine schöne Schule gestanden hatte, schossen mir doch Tränen in die Augen.“

SchulleiterInnen waren:

Dorothea Ruddat                               1958 - 1964

G. Langmann                                    1964 - 1966

Anneliese Weger, geb. de Vrieze    1966 - 1982

Hans Kemper                                      1982 - 1994

Gabriela Krücker                                  1994 - 1998                  

Anette Grunwald                                1998 - 2000

Dependance der Barbara-Schule     2001 - 2003

Eine Seite aus der Schulchronik

Die Ladenstraße

Gleichzeitig mit der neuen HOAG-Siedlung baute und vermietete die Firma Conle an der Straße Auf dem Bruch eine Ladenstraße zur Nahversorgung der Bewohner. Fritz Frings war der erste, der mit seiner Frau am 1. April 1957 dort einen Friseursalon eröffnete und bis September 1991 betrieb. Aus dieser Zeit erzählt er:

„Als wir einzogen, war die Siedlung von der Denkhauser Höfe bis zur Hildegardstraße beinahe fertig. Nur die Platten vor unserem Geschäft waren noch nicht verlegt. Ich war gerade 25 geworden und hatte mit Sondergenehmigung 1954 meine Meisterprüfung in Oldenburg abgelegt. Einen eigenen Salon zu eröffnen war für mich als Sterkrader Jung natürlich eine einmalige Chance, aber auch eine schwere finanzielle Bürde. Um den Vertrag überhaupt zu bekommen, musste ich einen Bauzuschuss von 3.000,- € leisten und natürlich die gesamte Einrichtung des fast 100 qm großen Salons finanzieren. Hinzu kam die Miete von nahezu 300,- € im Monat. Das wollte erst eingenommen sein. Kostete doch damals ein einfacher Herrenhaarschnitt gerade einmal 80 Pfennig. Ich war auch noch nicht verheiratet. Der Geschäftsführer von Conle, Herr Riedel, sagte: Den Vertrag bekommen sie nur, wenn sie verheiratet sind. Also heiratete ich meine heutige Frau. Wir betrieben den Salon gemeinsam. Die Siedlung war jung und reich an Kindern. Nach und nach stellten wir Mitarbeiterinnen ein. Zeitweise arbeiteten wir zu zehn Personen. Auch die Preise für einen Haarschnitt stiegen. Als ich 1991 aufhörte, kostete ein Herrenhaarschnitt 15,- DM. Weitere Geschäfte zogen ein. Von der Hildegardstraße aus betrachtet: Die Verkaufsanstalt Oberhausen, damals ein GHH-Konsum, Metzger Wilms, Lotto Hambuch, ein Cafe mit Gaststätte, dem „ Pils – Stübchen“, ein Sparladen und nebenan eine Trinkhalle. Später musste ich in die Räume des Sparladens umziehen. Mein Salon und der VA-Laden wurden zusammengelegt und EDEKA zog ein.“

Die Ladenstraße wurde zu einem Treffpunkt innerhalb der Siedlung. Das galt für Schüler, Heranwachsende wie Erwachsene gleichermaßen. Eine durchaus gewollte Entwicklung mit dem städtebaulichen Ziel, hier langfristig ein Stadtteilzentrum entstehen zu lassen. Leider kam es anders. Die Siedlung war altersmäßig zu wenig durchmischt. Nach und nach verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Geschäfte zunehmend, eines nach dem Anderen gab auf. Als letzter schloss am 26.06.2004 um 13:00 Uhr der EDEKA-Markt. Die Ladenstraße war Geschichte.

Neue Häuser und das Drama mit Centaplan

Der Duisburger Investor Centaplan erwarb schließlich die Fläche, um darauf zwischen den Straßen Ilseweg und Auf dem Bruch in drei kompakten Hauskomplexen mit jeweils 6 Wohneinheiten insgesamt 18 Reihenhäuser zu errichten. 3 Wohneinheiten zeigen jeweils zum „Auf dem Bruch“ und drei zum „Ilseweg“. Das Geschäftsmodell des Firmenchefs Oliver Stratmann sah vor, mit dieser verdichteten Bauweise zusammen mit der Partnerfirma HT Bauübernehmung GmbH preisgünstigen Wohnraum für Familien mit Kindern zu schaffen. Die WAZ schrieb dazu: „ Das Reihenmittelhaus etwa mit 106 qm Wohnfläche auf 150 qm Grundstück-ohne Keller und Dachausbau- sollte nur 153.500 € kosten.“ Grundsätzlich ein zu begrüßendes Vorhaben, nur dann wurde es eine finanzielle Katastrophe.

Der Verkauf lief ab 2006. Bis Weihnachten 2007 sollten bereits die Käufer eingezogen sein, so das Versprechen. Bei Vertragsabschluss war der Grundstückspreis fällig, ebenso, gleich nach Beurkundung des Hausbauvertrages, die erste Hausrate. Die Verkäufe der 18 Häuser zogen sich dann aber hin bis ins Frühjahr 2008. Erst dann begannen die Bauarbeiten. Zinsen und Tilgung liefen bereits, für manchen Bauherrn seit über einem Jahr. Von einem Einzug konnte noch keine Rede sein. Die Bauherren wurden ständig vertröstet. Weitere Vorauszahlungen fielen an. Der Investor geriet schließlich in Zahlungsschwierigkeiten. Die Abschlagsrechnungen der am Bau arbeitenden Handwerksbetriebe konnte er nicht mehr begleichen, so dass Handwerker schließlich ihre Arbeiten einstellten und teilweise sogar bereits installierte Bauteile wieder ausbauten. Im Juni 2009 meldete Centaplan schließlich Insolvenz an. Klage wegen Insolvenzverschleppung wurde eingereicht. Für einige Bauherren war die finanzielle Belastung durch das lange Warten auf den Einzug und die weiterlaufenden Zinsen auf das bereits gezahlte Kapital einfach zu hoch geworden. Sie mussten aufgeben. Schließlich waren Wohnungen im Vertrauen auf den längst überfälligen Einzug gekündigt worden. Familien mussten bei Verwandten, Freunden oder Bekannten unterkommen. Kommentar einiger Betroffener: „Wir lebten wie Asylanten“. Einige Familien zogen sogar in die halbfertigen Bauten.

Am 19.02.2013 ist der Centaplan-Chef zu 27 Monaten Haft verurteilt worden. Den reinen finanziellen Schaden beziffern die Häuslebauer unterschiedlich auf bis zu 30.00 €.

Heute scheint vordergründig die schwere Bauzeit vergessen zu sein. Man sieht im Detail individuell gestaltete Reihenhäuser mit einfallsreich gestalteten Vorgärten. Hier lässt es sich wohnen. Und die Erinnerung an die schwere Bauzeit? „Sie hat uns zusammengeschweißt“, sagt ein Bewohner sarkastisch.

Spielplatz Wittkampbusch

Die Siedlung auf dem Bruch und deren Umfeld war anfangs jung und kinderreich. Also musste auch ein Kinderspielplatz her. In der Schulchronik heißt es: „Am 21.7.1967 wird ein Kinderspielplatz hinter unserer Schule eingeweiht. Eine großartige Anlage, die auch von den Kindern unserer Schule genutzt werden kann.“ Die Zeitungen schreiben damals, dass OB Heinrich Thöne mit Mitgliedern des Stadtrates und der Verwaltung den Spielplatz bei „kaltem und regnerischem Wetter unter Beteiligung vieler Kinder eröffnete.“ Die Fläche des, „Spielparkes“ betrug 14.500 qm, wovon 13.500 qm ausgebaut waren. Es gab einen Robinsonspielplatz (Kletterteil, Holzschiff, Burgenteil, Balancier- und Laufsteg), einen Bolzplatz sowie einen Bereich „Mutter und Kind“. Der Platz hat damals schon 160.000 DM gekostet, 20.000 DM spendete die HOAG.

Nach mehr als vierzig Jahren wird der über die Jahre stark ramponierte Spielplatz umgestaltet und 2009 vom damaligen Bezirksbürgermeister Binnewerg im Rahmen eines Spielplatzfestes eingeweiht. Dieser Spielplatz mit Bolzplatz und ausgedehnten Grünflächen gehört heute sicher zu einem der schönsten in Mülheim.

Neue Siedlung auf altem Schulgelände

 

Siedlungshäuser an der Straße Auf dem Bruch

 

Frau OB Mühlenfeld stellte im Juni 2004 erstmals das 100-Häuser-Programm für Mülheim vor. Junge Familien sollten auf kostengünstigen Baugrundstücken Eigenheime zu erschwinglichen Preisen erwerben und so an die Stadt gebunden werden. Bewerben konnten sich Familien ohne Hauseigentum in Mülheim und mit mindestens einem Kind, wenn sie außerdem die Bestimmungen der öffentlichen Wohnbauförderung erfüllten. Die Grundstücke waren voll erschlossen und die Kaufpreise vorweg definiert. Sonderkosten entstanden nur für Sonderwünsche der Bauherren.

Das erste Projekt im Zuge des 100-Häuser-Programms mit 28 Eigenheimen war in Saarn bereits erfolgreich abgeschlossen. In Dümpten stand das 8.200 qm großen städtische Grundstück der abgerissenen Grundschule „Auf dem Bruch“ für eine Bebauung bereit. Nach Ausschreibung des Vorhabens erhielt die Mülheimer Wohnungsbau e.G. im Mai 2009 den Zuschlag zur Vermarktung und Bebauung der Fläche. Die Nachfrage war enorm. Der städtebauliche Entwurf sah eine Parzellierung der Fläche in 165 bis 476 qm große Grundstücke vor. 26 Reihen- und Doppelhäuser mit 2 Vollgeschossen und mit einer Wohnfläche von 105 qm sowie einer Ausbaureserve im DG von 37 qm sollten entstehen. Die WAZ schrieb dazu: „Ein Reihenhaus in der geringsten Ausstattung soll 139.000 € kosten. Für einen Keller werden 17.400 € berechnet. Zusatzpakete zwischen 13.200 € und 37.850 € können Häuslebauer dazu buchen. Jede Familie kann Eigenleistungen bis zu 23.500 € erbringen und den Kaufpreis um diese Summe senken.“

Baubeginn war Ende 2010. Am 11.Mai 2011 feierten die Bauherren bereits ein großes gemeinsames Richtfest. Bis Ende 2011 waren 26 Familien mit damals 49 Kindern eingezogen, von denen sieben Familien Neumülheimer waren. Heute steht auf dem ehemaligen Schulgelände eine schmucke Siedlung moderner, energetisch optimierter Reihenhäuser. Auf den Dächern erkennt man Solarkollektoren für die Brauchwasserversorgung und zur Unterstützung der Brennwertheizung. Fast sämtliche Häuser sind unterkellert. Die vielen Spielgeräte in den Gärten zeigen, dass Familien mit kleinen Kindern eingezogen sind.

Die neuen Hauseigentümer sind mit ihren Häusern sehr zufrieden. So gut wie keine Baumängel werden beklagt. War doch etwas zu beanstanden, wurde vom Bauträger sofort nachgebessert. Die Baukosten hielten sich im vereinbarten Rahmen. Und die Nachbarschaft? Innerhalb der Siedlung bildeten sich schnell Freundschaften. Aber man wohnt eng beieinander. Klar, da gibt es da und dort Diskussionen, vielleicht auch die eine oder andere Streitigkeit: Wie gestalten wir die gemeinsame Grenze , den Garten, zu welchen Zeiten darf der Rasen gemäht werden, wie laut darf es auf der Terrasse werden, wie laut dürfen Kinder sein, was darf ich im Garten alles aufbauen, usw.. Auch das Grillen und die damit verbundenen Gerüche sind nicht nur in dieser Nachbarschaft ein Thema. Viele einigten sich deshalb darauf, nur noch einen Gasgrill zu benutzen. Alles Probleme, die eine enge Nachbarschaft mit sich bringen, aber bei gegenseitiger Rücksichtnahme meistens lösbar sind.

In der Siedlung leben 44 Familien mit ca. 90 Kindern. Der Dümptener Bürgerverein wünscht den Familien eine glückliche Zukunft.

Vor dem Haus Nr. 42 der Familie Hibbeln traf ich vier junge Mütter mit ihren Kindern beim Nachbarschafts-Tratsch. Zu hören bekam ich nur Gutes über das Wohnen in dieser Siedlung. Von links: Monika Roskosch, 2 Kinder; Jasmin Borovec, 1 Kind; Susanne van der Beck, 3 Kinder; Sabine Hibbeln 2 Kinder + schwanger.