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22 Apr 2021
Vorstandssitzung
   

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In der Reihe der Baudenkmäler, die für die stadtgeschichtliche Entwicklung des heutigen Dümptens von Bedeutung sind, stellen wir heute das Fachwerkhaus Zehntweg 238 (lfd. Nr. 483 der Mülheimer Denkmalliste) vor. Das gemütliche Fachwerkhaus, in dem Ilse Erich (55) mit ihrem Mann Rainer (52) und den beiden Töchtern Sabrina (19) und Julia (14) zusammen mit dem Hauskaninchen „Klopfer“ wohnen, dürfte um 1750 herum errichtet worden sein. Denn der Nachbar, der ehemalige Dümptener Kohlenhändler Herr von der Horst, dem das gegenüberliegende Fachwerkhaus Zehntweg 239 gehört, erzählte mir, dass er beim Verkauf eines Grundstückes direkt neben seinem Haus, einen Türbalken mit der Jahreszahl 1704 gefunden habe. Auf jeden Fall handelt es sich um eine Ensemble-Bebauung aus der Zeit der Frühindustrialisierung des Ruhrgebietes, die in unserem Stadtteil architektonisch einzigartig sein dürfte. 

Bevor wir die Familie Erich zu Wort kommen lassen, soll aus der Denkmalliste der Stadt MH zitiert werden, in der die Stadtverwaltung eine Beschreibung des denkmalwürdigen Gebäudes vorgenommen hat. Dort heißt es:

 „Anfang des 19. Jahrhunderts, kleines eingeschossiges Fachwerk- Giebelhaus, am hinteren Giebel ein kleiner eingeschossiger Satteldachschuppen. Fachwerk des Dachgeschosses nachträglich verändert bzw. Balken des Fachwerkes überputzt. Das Fachwerk-Giebelhaus, erbaut um 1800, ist ein wichtiges Dokument der landwirtschaftlich geprägten vorindustriellen Siedlungsstruktur und der bäuerlichen Architektur dieser Zeit im Raume Mülheims-Dümpten. Das Gebäude ist aus o.g. Gründen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für die Arbeits- und Produktionsverhältnisse im frühen 19. Jahrhundert und für die Entwicklung der Stadt MH in der vorindustriellen Zeit; erhaltenswert aus wissenschaftlichen, besonders architektur- und ortsgeschichtlichen Gründen.“ 

Bei meinem Besuch im Fachwerkhaus habe ich festgestellt, dass Frau Erich eine „waschechte“ Dümptenerin ist; sie stammt ursprünglich aus der Oberheidstraße und ihr Ehemann aus Speldorf. 1996 entschlossen sie sich das ca. 800 Quadratmeter große Grundstück mit aufstehendem Fachwerkhaus zu erwerben, um dem Mieterdasein nach den ersten gemeinsamen Jahren in Styrum zu entfliehen. Ihre beiden Töchter Julia und Sabrina hatten somit in der Kindheit genügend Bewegungsraum auf dem großen Gartengrundstück. 

Sie bereuen die große Investition bis heute nicht, obwohl damals alle Erichs und vor allem ihr Mann das nahezu unbewohnbar gewesene Fachwerkhaus wieder auf Vordermann bringen mussten. Denn es musste viel in die Innenraumrenovierung des Hauses und in die Dach- und Giebelreparatur investiert werden, um das Haus auch aus energiespezifischen Gründen wirtschaftlich bewohnen zu können. 

Das „Hexenhäuschen“ (wie es damals beim Erwerb des Hauses bei den Nachbarn hieß) ist heute durch die Renovierung wirtschaftlich zu bewohnen. Statt Kohleofen und Plumpsklosett gibt es heute eine Gasheizung und eine moderne Toilette. Das gemütliche Fachwerkhaus hat zwei Zugänge, der Haupteingang ist vom Zehntweg und der andere Zugang zu dem großen grünen Grundstück ist von der Straße „Auf der Heide“ zu erreichen. 

Der Garten war anfangs noch teilweise als Nutzgarten gestaltet worden, während er heute nur noch als Zier- und Freizeitgarten fungiert. 

Auf meine Frage wie wohl sie sich im Königreich Dümpten fühlen, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Wir finden hier alles, was wir für unsere Nahversorgung benötigen.“ Damit spielen sie vor allem auf das „Dümptener-Tor“ am Heifeskamp an. Beide Töchter haben ferner auch die gute Dümptener Schulstruktur kennengelernt, nämlich die fußläufige Strecke zur Erich-Kästner-Grundschule. „Glück auf!“ kann man da nur der Familie Erich zurufen und ihnen auch weiterhin viel Freude beim Wohnen in ihrem Baudenkmal wünschen! 

Hans-Georg Hötge