Unser Bürgerbaum  

   

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Zum fünften Mal wurde unser Bürgerbaum am Samstag, dem 24. April 2004 in Dümpten aufgestellt.

Morgens um 10:00 Uhr trafen sich daher Vorstandsmitglieder des Dümptener Bürgervereins sowie Mitglieder unserer Dümptener Vereine, um den neuen Baum, der von unserem Vorstandsmitglied Norbert Kröhan gestiftet worden war, mit den Vereinsemblemen zu bestücken. Etliche Vorbereitungen mussten getroffen werden, damit unsere Gäste ab 14:00 Uhr bewirtet werden konnten.

In der Katholischen St. Barbara Kirche wurde dann ab 12:30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten. Dieser Gottesdienst wurde vom Diakon Herrn Reinhard Sprafke, Herrn Kaplan Thomas Pulger und Herrn Pastor Martin Langenberg durchgeführt.

Hier nun die Andacht des Herrn Pastor Langenberg:

"Liebe Dümptener Bürgerinnen und Bürger! Liebe Geschwister im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus!

Wir sind hier zusammengekommen um Gottesdienst zu feiern.

Anlass dafür ist ein Baum. Genauer: ein Bürgerbaum, der nachher gegenüber der Evangelischen Kirche an der Oberheidstraße aufgestellt werden soll. "Der Bürgerbaum soll das Wir-Gefühl stärken!", so gaben Sie mir, Herr Hübner, am Telefon zu verstehen.

Dieses künstliche Symbol soll als Zeichen dienen, das ausdrückt: "Wir hier in Dümpten, wir gehören zusammen!"

Es ist also quasi nachher eine "weltliche Zeichenhandlung" geplant, und als Auftakt dazu feiern wir nun miteinander einen ökumenischen Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes...

Was bedeutet dieses Symbol Baum eigentlich?

Es kann kein Zufall sein, dass gerade ein Baum ein Symbol für diese übergreifende Gemeinschaft, dieses "Wir-Gefühl" sein soll!

Wohl dem, der Lust hat am Gesetz des Herrn...

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit... (heißt es in Psalm 1)!

Der Mensch ist wie ein Baum.... In vielen Liedern, in Gedichten, Fabeln und Geschichten, in Gleichnissen und Bildern wird der Mensch mit einem Baum verglichen; ja manchmal sogar identifiziert: "Der gute Baum bringt gute Frucht und der schlechte faule!", sagt Jesus und meint damit den Menschen.

Und auch ein türkischer Dichter unserer Tage hat mithilfe des Baummotivs sein Ideal vom Menschen in Worte gefasst: Leben - frei und einsam wie ein Baum - und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Hoffnung...

Das heißt doch: Es kommt einerseits darauf an, unsere Einmaligkeit und Individualität zu bewahren, unser Selbstbestimmungsrecht und unsere Freiheit! Dies drückt sich im Symbol des einzelnen Baumes aus, der fest gegründet und Zeiten überdauernd auf eigenem Beine steht... Es kommt andererseits aber auch auf Gemeinschaftsfähigkeit an, auf Solidarität und Geschwisterlichkeit, wunderschön nachzuvollziehen im Bild des Waldes...

In der antiken Welt galt der Baum als das Hauptsymbol der Fruchtbarkeit und als geheimnisvolle Quelle des Lebens: Große uralte Bäume konnten den Menschen häufig als Tempel dienen, wo ihnen das "Heilige" nahe kam und religiöse Gefühle sich ganz von alleine einstellten.

Wenn man die ganze Bibel einmal durchgeht und nur nachschaut, welche Arten von Bäumen in den zahllosen Texten und Geschichten vorkommen, findet man kaum ein Ende: Von der Pistazie, dem Mandel- und dem Nussbaum über den Johannesbrotbaum und den Maulbeerbaum, die Palme, die Zypresse geht es weiter zu den bei uns häufiger vorkommenden Gewächsen wie der Apfelbaum, die Weide, die Eiche, das Ebenholz und die Pappel; aber auch Akazie, Zeder, Platane und Ginsterstrauch werden genannt; Granatapfel, Feigenbaum und schließlich der Ölbaum, der die Oliven liefert, bringen Früchte, die das Leben lebenswert machen und kommen bei uns und in unseren Breiten schon wieder seltener vor...

Interessanterweise werden die Bäume innerhalb der Bibel häufig personifiziert und mit menschlichen Eigenschaften behaftet dargestellt: Sie trinken sich satt, klatschen in die Hände, jubilieren und können wie Menschen erkennen, beneiden, um eine Frau werben oder sich zum König wählen lassen, wie man in den Psalmen und bei den Propheten und Geschichtsbüchern nachlesen kann.

Aber nicht nur der Mensch wird in der Bibel mit dem Baum identifiziert; auch religiöse Ideen wie das Reich Gottes oder das ewige Leben werden mithilfe des Baummotivs symbolisiert: Jesus vergleicht - ganz in der Tradition der Propheten - das Reich Gottes einmal mit einem Senfbaum, der aus dem kleinsten aller Samenkörner entsteht und doch zu einem großen Baum heranreift, in dessen Ästen die Vögel des Himmels nisten (wie eben im Lied "Kleines Senfkorn Hoffnung" gesungen).

Einen Baum pflanzen, das heißt das Leben verantwortlich in die Hand zu nehmen und auf Zukunft zu setzen. So soll der Reformator M. Luther gesagt und bekannt haben in Bezug auf das Weltende und das Hereinbrechen des göttlichen Reiches und die Wiederkunft Christi, an deren nahes Bevorstehen viele in seiner Zeit fest glaubten: "Und wenn morgen die Welt unterginge... Ich würde heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen...!"

Das heißt: Wie pessimistisch auch immer wir die Situation in unserer Gesellschaft und die Weltlage einschätzen mögen, es entbindet uns nicht von der Pflicht zu planen, zu handeln und vor allem: gerade auch als Christen Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wenn ihr an mir bleibt und ich mit euch verbunden bleibe, dann werdet ihr viel Frucht bringen, so hörten wir eben das Versprechen Jesu in der Lesung...

In Verbundenheit mit IHM –-da entstehen all diese guten Ideale wie von selbst; sie wachsen aus dem Geist Christi: Solidarität und Geschwisterlichkeit, Frieden und kreative Ideen, wie ein Stadtteil zum Wohle aller verändert werden kann, Achtung auch von Gruppen, die wenig oder keine Lobby haben, Integration von sozialen Außenseitern und vor allem so etwas wie Hoffnung, eine Richtung, ein Ziel und ein Sinn. Für Christen ist dieser Christus Jesus der Baum des Lebens, den Gott uns hier und heute schenkt, dass wir von seinen Früchten genießen, in seinem Geist Frucht bringen ...

Und unser ganzes Leben ist ein Baum gepflanzt an Wasserbächen, wo wir auf diesen Jesus hören, ihm vertrauen...

Unser Leben mit seinen Wurzeln in der Tradition unserer Vorfahren, in der Religion, in der Zuwendung und der Geborgenheit unseres Elternhauses... Unser Leben mit dem aufwachsenden und sich stetig verbreiternden Stamm, den vielen Ringen und Jahren, die uns umkreisten... Unser Leben mit seinen unzähligen Verästelungen, Zweigen und Abzweigungen, Wegen die gelungen sind und solchen, die im Sturm der Zeit abbrachen und nicht weiterleben durften... Unser Leben mit dem Wechsel von grünen, bunten und verwelkten Blättern, die uns schützten, mit denen wir uns schmückten und - mit den kahlen Tagen, die uns trostlos erschienen wie ein entlaubter kahler Baum... Unser Leben mit den Früchten, die wir brachten, die uns gelangen und uns geschenkt wurden... Es ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen (heißt es im Psalm)

Aber gemeinsam ist unser Leben so etwas wie ein Wald. Ein Wald von Ideen und Träumen, von unterschiedlichsten Düften und Stimmungen, Gesetzen und Erfahrungen, Lebensläufen und Beziehungen. Ein Wald – brüderlicher und schwesterlicher Bäume, Menschen, die ein Bewusstsein für das Menschsein in sich tragen – das ist immer noch eine Utopie!

Und wenn heute dieses künstliche Symbol "Bürgerbaum" gegenüber der Evangelischen Kirche in Dümpten aufgestellt wird und wenn wir aus diesem Anlass heraus hier in der Katholischen Kirche Sankt Barbara einen ökumenischen Gottesdienst feiern, dann ist das zunächst nur ein kleines Zeichen auf dem langen Weg zum Frieden und zu dieser Utopie, die in der Bibel "Reich Gottes" genannt wird.

Machen wir uns doch klar. Dieser eine Bürgerbaum, mit seinen etwa 12 Schildern und Vereinsnamen drauf, das ist ein Baum unter vielen anderen Bürgerbäumen und Zeichenhandlungen im Wald der Geschwisterlichkeit der ganzen Menschheit. Mit Christus verbunden, mit dem biblischen Baum des Lebens verbunden, da wächst und gedeiht dieser große und schöne Wald, der in dem Gedicht des türkischen Dichters angedeutet ist.

Mit Christus verbunden werden wir heute schon Früchte wachsen lassen, die aufblühen, nicht vergehen und Bestand haben werden im Reich Gottes. Amen."

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Dümptener Bürgerinnen und Dümptener Bürger mit ihren Gästen auf der Freifläche Denkhauser Höfe/Oberheid-straße, um das "Einstielen des Baumes" mitzuerleben.

Unser Vorstandsmitglied Rudi Peter hatte wieder alles im Griff, sodass mit Hilfe des Treckers vom Bauernhof in der Beeck und vielen fleißigen Helfern der Baum um 14:15 Uhr auf seinem angestammten Platz aufrecht stand.

In seiner kleinen Ansprache begrüßte der Bezirksvorsteher der BV 2 Herr Knut Binnewerg die Anwesenden, überbrachte Grüße der Stadt und machte darauf aufmerksam, wie wichtig eine solche Veranstaltung für den Zusammenhalt der Gemeinschaft ist.

Im Anschluss daran wurde dem Diakon der Katholischen Kirchengemeinde St. Barbara Herrn Reinhard Sprafke und dem Pastor der Evangelischen Kirchengemeinde Dümpten Herrn Martin Langenberg vom Vorstand des Dümptener Bürgervereins jeweils ein Scheck in Höhe von je 250,00 Euro für ihre Jugendarbeit übergeben.

Mit dieser finanziellen Unterstützung wurde ein Beschluss des Vorstands des Dümptener Bürgervereins umgesetzt, auch zukünftige Jugendarbeit in unserem Stadtteil weiterhin zu unterstützen.

Danach wurde unter Berücksichtigung des leiblichen Wohles der fast 150 anwesenden Personen noch bis ca. 16:00 Uhr bei herrlichstem Wetter gefeiert. Noch erwähnt werden sollte, dass politische Mandatsträger, wie Andreas Schmidt MdB, die Ratsfrau Helga Künzel mit dem Ratsherrn Dieter Spliethoff und aus der Bezirksvertetung Frau Petra Seidemann anwesend waren. Nicht unerwähnt möchten wir an dieser Stelle die Anwesenheit der Mülheimer Presse lassen.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Siedlergemeinschaft "Eigene Scholle" für die gute Beköstigung sowie an alle helfenden Mitglieder aus den Dümptener Vereinen, der WIK und natürlich den "Randenbergern".

Dank auch an die Firma Schmitter - als Getränkelieferant - sowie an die Eheleute Medenblik für die Bereitstellung von Wasser und Strom.

Bleibt letztendlich zu hoffen, dass der Bürgerbaum in Dümpten jedes Jahr seinen Platz in unserer Mitte findet, damit das "Wir-Gefühl" in unserem schönen Stadtteil Dümpten weiter bestehen bleibt und noch ausgebaut wird.