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07 Dez 2017
Vorstandssitzung
   

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Wer in Dümpten in Nähe der A 40 zuhause ist, wohnt an einem der lärmintensivsten Orte in der Stadt. Ein Besuch am Damaschkeweg.
Hartwig Pietsch auf der Sellerbeckbrücke.

Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ Fotopool

Der Brief datiert vom 12. April 1968, mit einem „Hochachtungsvoll” schließen Fritz Frings und Mitstreiter ihren Brief an das Landesstraßenbauamt in Essen. Betreff: „Lärmbelästigung durch die B 60 am Randenbergstal”. Heute ist aus der B 60 längst die A 40 geworden. Ein „Hochachtungsvoll” kommt Fritz Frings, dem lärmgeplagten Anwohner des Dümptener Damaschkeweges, nicht mehr über die Lippen, wenn er nach Jahren erfolglosen Bittens, Bettelns und Mahnens an die Wohnsituation der Dümptener entlang der Bundesautobahn denkt: „Ich glaube an die Politik und unser Beamtentum nicht mehr. Sie lügen und vertrösten die Menschen nur.”

Ortstermin in Frings' Garten, 41 Jahre und sechs Monate, nachdem der erste Beschwerdebrief von hier auf den Postweg gebracht wurde. Unweigerlich kommen dem Besucher Grönemeyers Zeilen aus dem Lied „Mambo” ihn den Sinn: „Es dröhnen die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren . . .” Frings' Nachbar Hartwig Pietsch, der im Protest gegen den A 40-Lärm in Frings Fußstapfen getreten ist, winkt aber ab: Nicht die Motoren seien das, die Reifen machten den Hauptlärm, der mit dem häufigen Südwestwind in die Siedlung getragen werde. Einige hundert Meter entfernt rauscht der Verkehr die Bahn entlang, im Fringschen Garten mag man sich kein gemütliches Sommergrillen vorstellen. Zurückgelehnt im Stuhl ein Buch lesen und entspannen – wie bitte?
„Im Sommer draußen zu sitzen, ist überhaupt nicht drin”
Gut, dass ein Bild nicht lärmen kann: Die Idylle im Garten von Marlies und Fritz Frings trügt.

Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ Fotopool

Diesmal winkt Marlies Frings ab: „Im Sommer draußen zu sitzen, ist überhaupt nicht drin”, sagt sie – und man glaubt es ihr sofort. Auch die Schlafzimmerfenster halten die Frings selbst im Hochsommer nachts geschlossen. Sonst sei kein Auge zuzubekommen. Das Eigenheim ist älter als die Autobahn, wird bald 50. Schon dreimal haben die Frings die Fenster ausgetauscht. Immer dann, wenn neue Lärmschutzqualitäten auf den Markt kamen. Bäume säumen das Grundstück, bringen wegen der hoch gelegenen Autobahn aber kaum Schutz. Man müsse das Übel schon an der Wurzel greifen, sagt Frings. An der A 40 müsse was getan werden.

In der Nachbarschaft, so erzählt Hartwig Pietsch, versuche eine Frau schon seit zwei Jahren, ihr Haus zu verkaufen. „52 Interessenten waren da, wenn die auf die Terrasse gegangen sind, haben sie die Hände über den Kopf zusammengeschlagen.”
Ausbau würde automatisch für Lärmschutz sorgen

Pietsch und sein Freund Bernd Lüllau vom Dümptener Bürgerverein sind diejenigen, die sich für die betroffenen Bürger mit den Behörden auseinandersetzen, immer wieder Briefe verfassen, Stellungnahmen einfordern und vor allem: handeln. So paradox es auf den ersten Blick klingt: Dass der geplante Ausbau der A 40 zwischen Autobahnkreuz Kaiserberg und Winkhausen auf sechs Fahrstreifen sich verzögert, ist nicht gerade im Sinne der Anwohner. Denn: Kommt der Ausbau, hätten sie direkt rechtlichen Anspruch auf die mittlerweile höheren Lärmschutzstandards.

Ohne Ausbau müssen höhere Lärmpegel erreicht werden, damit eine gesetzliche Pflicht zur Lärmsanierung besteht. Nun, da der sechsstreifige Ausbau immer noch in der frühen Planungsphase steckt und wegen der Ebbe in den öffentlichen Kassen auch noch auf Zeitschiene X geschoben werden könnte, setzen Pietsch und Co. ihre Hoffnungen auf eine aktuelle Lärmuntersuchung, mit der das Bundesverkehrsministerium das Land und den Landesbetrieb Straßen NRW beauftragt hat.
Flüsterasphalt als erste Hilfe

Geprüft wird, ob nicht zumindest kurzfristig ein sogenannter Flüsterasphalt eingebaut werden kann. Für Pietsch wäre dies eine erste Wohltat. Der neue Asphalt, da ist er mittlerweile kundiger Autodidakt, könne den Lärmpegel um 3 bis 4 dB(A) senken, das entspreche einer tatsächlichen Lärmminderung um gut ein Drittel. Pietsch kann nicht verstehen, warum dies bei der letzten Fahrbahnsanierung nicht schon passiert ist. Von Winkhausen in Richtung Essen gebe es diesen Straßenbelag schon, „obwohl da links und rechts kaum Wohnbebauung ist”. Man merke es schon beim Fahren, dass die Reifen dort weniger Lärm verursachten, sagt der 71-Jährige. Dort sei es „richtig leise geworden”, Anwohner der Wickenburgstraße in Essen-Frohnhausen hätten erzählt, dass sie mittlerweile des Nachts gar ihre Schlafzimmerfenster offen lassen könnten.

Die Hoffnung hat Pietsch auch noch nicht aufgegeben, dass es noch vor dem Ausbau eine Lärmschutzwand gibt, man könne sie doch schon eine Spur breit zurückversetzt aufstellen. Das hat er natürlich bei Straßen NRW angeregt, schließlich sei so andernorts verfahren worden. „Mein Gott, was haben wir uns schon die Finger wundgeschrieben”, runzelt Pietsch die Stirn.

Er gibt keine Ruhe. Solange der Lärm bleibt.

Mirco Stodollick

Quelle: derwesten.de 07.11.2009 | 09:00 Uhr